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Heutiges Japan


Band 1/1: xiv/ 777 Seiten, 293 Abb., 24 x 17 cm
Band 1/2: viii / 830 Seiten, 77 Abb., 24 x 17 cm
fadengeheftet, fester Einband ISBN 3-89129-931-1
EUR 160,00 / SFr 271,00

Zeichnung

Mehr als zweieinhalb Jahrhunderte schlummerte das deutsche Japan-Manuskript des berühmten Lemgoer Reisenden Engelbert Kaempfer (165 11715) in London (British Library, Sloane Collection Nr. 3060). Denn mit dem Erscheinen der durch den Schweizer Johann Caspar Scheuchzer besorgten englischen Übersetzung (The History of Japan, London 1727) galten diese Materialien als hinreichend erschlossen.

Scheuchzers prächtige Ausgabe stieß auf ein großes Interesse. Eine weitere Auflage und Übersetzungen aus dem Englischen ins Französische, Niederländische und sogar Deutsche folgten. Binnen kurzem wurde Kaempfers Japanbuch in der nach Scheuchzers Gutdünken um einige Kapitel erweiterten und an vielen Stellen ziemlich frei gestalteten Form zur wichtigsten Informationsquelle über Japan. Für ein Jahrhundert schöpften aus ihr Europas Denker und Dichter ebenso wie die Enzyklopädisten, Geographen, Naturforscher und Mediziner.

Zeichnung eines Japaners

Auch die 1677-79 auf der Grundlage zweier im Nachlass von Kaempfers Nichte gefundener Manuskriptversionen publizierte "Geschichte und Beschreibung von Japan" stand im Banne der englischen "Urform". Der Herausgeber Christian Wilhelm von Dohm (1751-1820), der den deutschen Landsleuten eigentlich Kaempfer in dessen Muttersprache vorstellen wollte, nutzte nicht nur die von Scheuchzer hergestellten Abbildungen, er brachte Kaempfers Deutsch in eine ans zeitgenössische Stilempfinden angepasste Form. Da er überdies die von Scheuchzer vorgenommenen Umarbeitungen übernahm, wurde auch hier dem Leser nur eine ziemlich entstellte Version präsentiert.

Die von Dohm verwendeten Manuskripte sind leider verschollen. Mit der hier vorgelegten, von Scheuchzers Eingriffen bereinigten Edition der in der British Library verwahrten Handschrift wird erstmals ein direkter Blick auf Kaempfers Nachlass möglich. Wir erkennen Kaempfers Ringen mit den aus Japan heimgebrachten Materialien. Es zeigt sich, dass dieser Text nicht in ein und demselben Arbeitsgang entstanden war und mehrere Schreiber aus Kaempfers Umfeld an der Reinschrift beteiligt waren. Kaempfers knorriger Stil wird sichtbar, seine kraftvollen Bilder und dezidierten Urteile, welche Dohm wie Scheuchzer so systematisch abschwächten und korrumpierten. Zugleich treten im Vergleich mit der "Geschichte und Beschreibung von Japan" nicht nur wichtige Züge der von Dohm benutzten Manuskripte zutage, auch seine Arbeitsweise wird deutlicher als bisher.

 


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Aktualisiert am:  5. November 2008

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