
BUZ: Für den Ernstfall gut aufgestellt: Landrat Friedel Heuwinkel, Klaus Wegener (Feuerwehr Lemgo), Bürgermeister Reiner Austermann, Meinolf Haase und Rüdiger Most (Mitte nach rechts) mit drei Einsatzkräften.
In der Bundesrepublik haben die Terroranschläge vom 11. September 2001 und das Elbehochwasser im Sommer 2002 zu einem Umdenken geführt: Die Krisenanfälligkeit und Verwundbarkeit moderner Gesellschaften erfordern ressort- und länderübergreifende Übungen im Krisenmanagement. Darum proben am 27. und 28. Januar in ganz Deutschland mehrere tausend Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, Hilfs- und Rettungsdiensten den Ernstfall. Auch der Kreis Lippe ist Schauplatz dieser groß angelegten Katastrophenschutzübung "LÜKEX". 600 Menschen werden am Mittwochabend rund um die Lemgoer Lipperlandhalle im Einsatz sein, wenn gegen 20.30 Uhr im Kongresszentrum der Halle ein Sprengsatz explodiert und chemische Stoffe freigesetzt werden.
"LÜKEX" steht für LänderÜbergreifende Krisenmanagement-Übung/EXercise und ist die Bezeichnung für eine Übungsserie im Bereich des nationalen Krisenmanagements in Deutschland. Die Innenministerkonferenz hat im Jahre 2002 eine neue Strategie zum Schutz der Bevölkerung beschlossen und die Notwendigkeit von Übungen auf politisch-administrativer Ebene hervorgehoben. Seit 2004 führen Bund und Länder LÜKEX gemeinsam durch. Ziel ist es, den Bevölkerungsschutz auf unterschiedliche Gefahren bestmöglich vorzubereiten und dadurch der Bevölkerung in einem Krisenfall bestmöglichen Schutz zu gewährleisten. "Regelmäßige Übungen dieser Art sind unverzichtbar, um im Schadensfall auf Bedrohungen schnell und zielgerichtet reagieren zu können", betont Landrat Friedel Heuwinkel. "In Lippe sind wir gut aufgestellt." Die nunmehr vierte Übungslage LÜKEX 09/10 geht von einer terroristischen Bedrohung aus, in deren Verlauf Terroristen konventionelle Sprengstoffanschläge und Anschläge unter Verwendung radioaktiven und chemischen Materials an verschiedenen Orten in ganz Deutschland androhen und durchführen. Bei dem Szenario in der Lipperlandhalle stellen 40 realistische Unfalldarsteller aus Hövelhof Verletzte dar, die von den Rettungskräften fachgerecht dekontaminiert, versorgt und anschließend ins Klinikum Lippe-Detmold gebracht werden. Der Krisenstab des Kreises Lippe tritt zusammen und arbeitet Hand in Hand mit allen beteiligten Akteuren, darunter auch die Stadt Lemgo und die Bezirksregierung Detmold. "Als Bezirksregierung sind wir das Bindeglied zwischen dem Krisenstab vor Ort und dem Krisenstab der Landesregierung. Es ist deshalb wichtig, die Zusammenarbeit und Kommunikation über die verschiedenen Ebenen zu testen, dabei Erfahrungen zu sammeln und gegebenenfalls Prozesse zu optimieren", erklärt Rüdiger Most, Abteilungsdirektor Bevölkerungsschutz und Leiter des Krisenstabes der Bezirksregierung Detmold. "Konkretes Übungsziel ist es zudem, die Versorgung einer Vielzahl von Verletzten und den Umgang mit gefährlichen Stoffen kontaminierter Menschen zu trainieren", berichtet Meinolf Haase vom Bevölkerungsschutz des Kreises Lippe und Mitglied der LÜKEX-Steuerungsgruppe OWL. Darüber hinaus soll das Zusammenspiel zwischen Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei, Einheiten des Katastrophenschutzes, Bund, Land, Kommunal- und Kreisverwaltung beübt werden. Die Wichtigkeit von LÜKEX betont auch Lemgos Bürgermeister Reiner Austermann: "Ich begrüße sehr, dass die Bundesrepublik Deutschland sich intensiv auf Großschadenslagen vorbereitet. Für die Alte Hansestadt Lemgo ist es eine Selbstverständlichkeit, diese nationalen Vorbereitungen nach Kräften zu unterstützen. Der Übungsort Lemgo ist vor allem gut gewählt, weil die Freiwillige Feuerwehr Lemgo über besonderes Know-How und umfangreiche Einsatzerfahrung verfügt, die wir gerne einbringen."